50N04 10E52 GLOBALSCAN 15:00:00 09/28/03

Dauer:
14. September bis 16. November 2003
Eröffnung:
Sonntag, 28. September 2003 - 15:00 Uhr
Pressemitteilung:

Einführung: Dr. Anne Marie Freybourg, Berlin

Sehr geehrte Damen und Herren,

Heute stellt sich Ihnen die KunstMühle Mürsbach vor. Im Itzgrund gelegen, 80 km nördlich von Nürnberg in der kleinen Ortschaft Mürsbach, nimmt die KunstMühle im September ihre Arbeit auf.

Die erste Ausstellung “50N04 10E52 GLOBALSCAN 15:00:00 09/28/03” versammelt Arbeiten von Peter Angermann, Thomas Eller, Werner Knaupp und Gerhard Mayer.
Landschaftsmalerei ist eines der klassischen Genres der Kunstgeschichte und schien, nicht zuletzt durch die Erfindung der Fotografie, für lange Zeit als ein fast abgelegtes Beschäftigungsgebiet zeitgenössischer Kunst. Ein immer wieder aufflammendes Interesse an diesem Thema konnte sich aber erst Mitte der 90er Jahre neu verfestigen. Das Interesse an Kartographien, das einem Bewusstsein der Wichtigkeit von Verortung psychischer und sozialer Realitäten entsprang, hat der Landschaft einen neuen Rang zugeordnet, in der sie zum Schauplatz psychologischer und politischer Ereignisse wurde.
Verweist der Titel der Ausstellung zunächst nur auf den Ort und den Zeitpunkt der Veranstaltung, sowie auf den Satelliten, als Betrachter “höherer Ordnung”, so sieht die vorliegende Ausstellung die künstlerische Beschäftigung mit Landschaft als eine Metapher für verschiedene Arten und Weisen eines Zugangs zu Realität.

Werner Knaupps “Vulkane” funktionieren wie Spiegel einer, unter der Oberfläche bis zum Entsetzen gespannten, Intensität, die die des Künstlers an den Betrachter verrät. Der Berg liegt da und wartet…man weiß nicht wann... – diese angedeutete und nicht ausgesprochene Dramatik, transportiert mehr, als es zuerst den Anschein hat.
Peter Angermanns Malerei dahingegen entwickelt eine Leichtfüßigkeit, die die Ironie seiner Bildvorstellung fast mit Heiterkeit überdeckt. Es ist die frappierende Mühe-losigkeit des Bildvortrags, deren Freiheit ansteckend wirkt. Das Bild wirkt auch hier wie ein Transformator, der den Anlass der Landschaftsmalerei zu einem Energie-transfer nutzt. Unser unwillkürliches Schmunzeln ist ähnlich dem, den ein guter Witz und dessen befreiende Distanz in uns auslöst.
Gerhard Mayers große Puzzle-Landschaften scheinen auch dem Bereich des Spiels entlehnt zu sein. Aus hundertausenden einzelnen Puzzleteilen collagiert, begeht er in seiner Arbeit sozusagen multiplen Regelbruch. Jedes Puzzle ist in sich ein ge-schlossenes System, das man durch das Lösen des Puzzles erfüllt. Es ist innerhalb dieser Logik nicht vorgesehen, es mit anderen Systemen zu kollidieren. Der Regelbruch in Mayers Werk jedoch öffnet unseren Blick auf die tatsächliche Komplexität unserer Perspektive auf Realität, in der sich permanent Räume verschie-denster Provenienz durchdringen.
Thomas Eller schließlich nutzt die Tradition des Bildpanoramas um die Diskontinuität von Fernreisen zu verdeutlichen. Er vergleicht das Reisen mit Filmtechnik. /Schnitt /neues Bild/ ist nicht nur die Erfahrung einer Flugreise, sondern auch das Kom-positionsprinzip seiner Arbeiten.
Dasselbe Prinzip liegt auch der Ausstellung zugrunde. Alle vier Künstler sind mit der fränkischen Region verwoben, in der die KunstMühle liegt. Alle aber haben ihre Netze weltweit gespannt. Ausserdem gehören sie verschiedenen Künstlergenera-tionen an. Aber genau über diese Diskontinuitäten hinweg, gestaltet sich unsere Realität jeden Tag.

Werner Knaupp, jetzt emeritierter Professor der Malerei, war in den 60er, 70er Jahren einer der prominentesten Künstler Deuschlands. Seine prägendsten Erfahrungen als Künstler hat er auf Reisen in “extreme Landschaften” gewonnen, oder in verschärften sozialen Situationen, wie im Sterbehaus der Mutter Teresa in Kalkutta oder im Nervenkrankenhaus in Bayreuth gesammelt. Neben zahlreichen Museumsausstellungen war er Teilnehmer der documenta 6.

Peter Angermann, sein Nachfolger an der Akademie Nürnberg, wurde in den 80er Jahren als Mitglied der Gruppe Normal international bekannt und war damit Teil eines kulturellen Aufbruchs in Deutschland, der in seiner Tragweite heute bisher unterschätzt wird. Wichtige Austellungen waren “Tiefe Blicke” im Hessischen Lan-desmuseum Darmstadt und “von hier aus” in Düsseldorf.

Gerhard Mayer studierte vor zehn Jahren Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Seither ist eine rege Ausstellungstätigkeit in Europa und USA entstanden. Zu den wichtigsten Stationen gehört "Selection Winter 98" im Drawing Center in New York, sowie Galerieausstellungen bei Caren Golden in New York, Hosfelt in San Francisco und Ute Parduhn in Düsseldorf.

Thomas Eller, lebt als einziger Künstler der Ausstellung nicht in der Region, sondern in New York. Seine Laufbahn begann er 1990 in Berlin. Von dort aus war er an vielen Ausstellungen in Osteuropa beteiligt, bevor er 1996 nach New York zog. Seitdem hat sich sein Aktionsfeld auch auf Nord-, Südamerika und Asien erweitert. Wichtige Einzelausstellungen waren z.B. im Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen und im Museum of Installation in London. Thomas Eller hat die vorliegende Aus-stellung zusammengestellt.

Die KunstMühle Mürsbach versteht sich als ein Ort in dem wenige Male im Jahr experimentelle Ausstellungen stattfinden werden, in denen internationale und lokale Entwicklungen ineinanderfliessen.
Laut Wasserbucheintrag besteht die Mühle “seit unvordenklicher Zeit” und hatte bis zu ihrer Modernisierung 1914 drei Wasserräder als Antrieb. Bis Ende der Achtziger Jahre noch in ihrer ursprünglichen Funktion als Mühle in Betrieb, wurde sie schon damals als Kunstmühle bezeichnet. Woher dieser Begriff kommt, ist nicht ganz geklärt. Er verweist wohl einerseits auf den “künstlichen” Antrieb der Mühle durch Turbinen, statt durch Wasserräder. Andererseits bezieht sich der Ausdruck auf die Kunst des Müllers, die mit dem Wissen um den Walzenstuhl, der eine besonders hohe Ausbeute an Mehl hoher Qualität und unterschiedlichster Gradation erlaubte, verbunden war. Heute nun erscheint es kaum noch zufällig, dass der alte Name die zukünftige Nutzung des Gebäudes bestimmt. Wenn also der alte Begriff der Kunstmühle eine besondere Sorgfältigkeit und Feinheit der Unterscheidungen nahelegt, so soll das auch das Motto der KunstMühle werden.


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